Gespräch des AK mit
dem bildungspolitischen Sprecher
der SPD- Landtagsfraktion,
Dr. Mentrup
18.4.2008
Dr. Mentrup war als Arzt zunächst ein „Außenstehender“ in der Bildungs-
und Schulpolitik. Diese Ausgangslage erleichtert ihm in vielerlei
Hinsicht einen kritischen und konstruktiven Umgang mit bildungspolitischen
Fragen.
Die SPD sieht das Bildungsgeschehen als ein Ganzes in 5 aufeinander
bezogenen Bereichen: Die vorschulische, die schulische, die außerschulische,
die berufliche und die lebenslange Bildung.
Für die weitere Entwicklung der Schule wird von außerordentlicher Bedeutung sein, dass die Schülerzahl um etwa 20% zurückgehen wird. Das wird die Existenz vieler Schulen, gerade im ländlichen Bereich in Frage stellen, soll aber vor allem, als Forderung der SPD, dafür genutzt werden, die durchschnittliche Klassenstärke auf höchstens 25 festzusetzen. Diese Klassenstärke ermöglicht eine ganzheitliche, individuelle Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler. Die SPD wünscht keine abrupten Strukturänderungen im bisherigen (5-gliedrigen) Schulwesen, sondern wünscht Innovationen, Entwicklungen und Modellversuche, die Schule permanent qualitativ ändern und „ansteckend“ wirken. Dabei unterstützt sie Tendenzen zur Integration gegen frühe und weitgehende Separierung. Langfristig strebt die SPD die zehnjährige Gemeinschaftsschule an; Zwischenschritte sind eine sechsjährige Grundschule und Kooperationen zwischen Haupt- und Realschule, ein Lernen in heterogenen Lerngruppen und eine höchstmögliche individuelle Förderung von Fähigkeiten und Interessen. Wohnortnahe Standpunkte sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben; auch dies ist mit einer Gemeinschaftsschule leichter zu erreichen. Konkrete Forderungen: eine längere gemeinsame Schulzeit der Kinder, kleinere Klassen, umfassendere Bildungsangebote, etwa in einer Ganztagsschule, intensive Elternarbeit. Die Ganztagsschule kann nicht kostenneutral verwirklicht werden; die den eigentlichen Unterricht ergänzenden Bestandteile sind hauptamtlich zu organisieren und zu erteilen. Damit könnte Baden- Württemberg
einige der Nachteile im Bildungswesen ausgleichen, die im internationalen
Vergleich festgestellt wurden und einen Beitrag zu einer verbesserten
Bildungsgerechtigkeit leisten.
In der Diskussion wird zunächst nach der Haltung der SPD zum (konfessionellen) RU gefragt. Dr. Mentrup hält eine „Werte- Erziehung“ an der Schule für äußerst wichtig. Er kann sich allerdings verschiedene Modelle vorstellen, wie dies geschieht. Die Stärken des RU sieht er in der festen Verankerung der Lehrkräfte („standortbezogener Unterricht“). Dadurch wird ein distanzierter, nur sachlich- informierender Unterricht ausgeschlossen. Angebote zur Sinnfindung und Orientierung müssen alle Bereiche des Schullebens durchdringen, sie dürfen nicht auf ein „Fach“ begrenzt
bleiben.
Stonis/20.04.2008/ Ergänzungen: Horst
Gorbauch
Brief an den MdL Dr.
Mentrup als Reaktion auf das Gespräch mit dem AK —»
Der Inhalt dieses Briefes war wesentlicher Bestandteil eines Antrags
der Abgeordneten Dr. Frank Mentrup u.a. (SPD) an den Landtag von Baden-Württemberg
zum Thema
"Religiös-ethische Bildung und Erziehung"